My favourite summer recipes: Lieblings-Nudelsalat + Interview mit dem Gründer von Semf

Mittwoch, 10. Juli 2013


Heute ist es mal wieder Zeit, für ein simples Sommerrezept, findet ihr nicht auch? Ich esse für mein Leben gerne Nudelsalate im Sommer und dachte, ein leckerer Nudelsalat muss her, der nach mehr schmeckt - aber schnell geht. Ich war am Wochenende auf einer Grillparty und wisst ihr, ich mecker ja eigentlich beim Essen NIE. Aber eins muss ich wirklich mal anmerken: Mir ist ganz stark aufgefallen, dass es bei vielen Menschen Gang und Gebe ist, in alle möglichen Salate Wurstprodukte zu mischen. Speck in den Bohnensalat, Tortellinisalat mit Putenschinken, das Gleiche im Spaghettisalat sowie der "klassische" Nudelsalat mit Fleischwurst. Es gab ungelogen 5 verschiedene Nudelsalate, kein einziger davon war vegetarisch!!! 

Von dem Punkt abgesehen, dass ich Wurst in jeglicher Form eher meide und auch nicht gern mag - warum ist das nötig? Wenn man doch eh Würstchen, Koteletts und Co. grillt, wer braucht dann auch noch im Salat Wurst? Da mein Vorsatz (und ja, ich halte mich weiter daran) für 2013 war, mich gesünder zu ernähren, verzichte ich nach und nach auf Fleisch, Zucker, Massen an Milch und tierisches Fett. Und da bin ich dann mega enttäuscht, wenn das Essen SO fleischlastig ist. Man hat quasi keine Alternative. Daher heute ein komplett fleischloser, wenig zeitfressender und supersüchtigmachender Nudelsalat. Das Dressing enthält leider mehr Zucker als gewöhnlich, ist bei diesem Nudelsalat jedoch der Clou. Ich habe es jetzt auch mal mit Honig versucht, ist auch sehr lecker. 

Meine liebe Kollegin Kerstin hat vor ein paar Monaten bereits diesen wirklich superleckeren Nudelsalat mit auf die Arbeit gebracht. Einen, von dem man immer mehr essen will und nicht aufhören kann, kennt ihr das? Er hat den Spitznamen "Chinesischer Nudelsalat" obwohl er mit China wohl in etwa so viel gemeinsam hat, wie die Bundeskanzlerin mit Chanel Kostümen! Ich freu mich trotzdem, dass ich das Rezept für euch ergattern konnte und es veröffentlichen darf. Seht ihr, ich hab auch nette Kollegen :) Sehr nette sogar. Außerdem wollte ich euch verraten, was es mit SEMF auf sich hat. SEMF - nicht die scharfe gelbe Würzpaste, sondern SEMF ;) Ganz nach dem Motto: Bin ich ne Bratwurst oder warum tust du überall deinen SEMF dazu ;) 


Die Einkaufsliste:


Und so wirds gemacht:

Am Besten stellt ihr die Marinade schon einen Abend vorher her, damit sich die Gewürze + der Zucker gut lösen. Vermischt 3 EL Sojasauce, 3 EL Balsamico, 3 TL Zucker und 3 TL Chinagewürz (vorzugsweise von Fuchs) kräftig miteinander. Damit sich alle Zutaten verbinden, wie gesagt am Besten am Vortag oder mind. 2-3 Stunden vorher anmischen.


Nun kocht 250 Gramm Gabelspaghetti, abschrecken und abtropfen lassen. Vermischt das
Dressing nun noch mit 3 EL neutralem Öl (ich hatte Rapsöl) und hackt ein paar glatte Petersilie (die Version ist von mir, Kräuterjunkie ;) ) Schneidet nun ein Bund (gern auch bis zu 2) Lauchzwiebeln in 4-5 mm große Scheiben und vermischt alles: Nudeln, Petersilie, Dressing + Lauchzwiebeln.


So, und nun zum SEMF. Semf ist die Abkürzung für "Schnell essen mit Freunden". Und dahinter steckt eine geniale Idee. Der 23 jährige Kölner Diede Slembrouck hat sich irgendwann einfach mal überlegt, dass alleine essen doof ist. Und oft auch ungesund. Und gerade in Großstädten, siegt die Anonymität - warum nicht einfach mal mit Nachbarn, Kollegen, Freunden - oder sogar Fremden zusammen essen? Obige Kollegin (ja, die mit dem leckeren Nudelsalat) ist regelmäßig aktiv für SEMF und erzählt mir ab und an von ihren Erlebnissen bzw. Vorhaben.

Ich erkläre euch einfach kurz, wie in etwa das Ganze abläuft: Ihr werdet Teil von der Gruppe SEMF bei Facebook. Wenn ihr etwas leckeres kochen wollt, es aber ggf. für noch mehr Personen reicht, könnt ihr das Ganze in der Gruppe veröffentlichen und Essenseinladungen verteilen. Gern natürlich auch mit einem Obulus fürs Essen. Euren Standort eingeben und schwupps - Hungrige Mitesser können sich dann bei euch melden und mit euch essen. Menü und Anzahl der Gäste bestimmt ihr selber und teilt dann die Kosten auf die Mitesser gerecht auf. 

Ich persönlich finde die grundsätzliche Idee dahinter mehr als genial: Zusammen essen, Kosten teilen, Ökologisch und Ökonomisch denken und dazu noch Menschen kennenlernen, reicher an Erfahrungen werden - rundum genial. Alleine die Vorstellung, wenn das Ganze noch in weiteren Städten anläuft, dass ggf. eine alte Omi einmal die Woche eine Anlaufstelle hat, wo sie gebraucht oder gern gesehen wird - perfekt oder? 

Und ich hab ihm einfach ein paar Fragen gestellt: 


Verlockendes: Lieber Diede, Der Klassiker: Schreib doch mal ein paar Sätze über dich als Person und vor allem, wie du auf die Idee gekommen bist, SEMF zu gründen.


Diede: Mein Name ist Diede Slembrouck, 23, aus Köln. Ich studier derzeit Germanistik/Musikwissenschaften an der Universität zu Köln und beziehe dafür ein kleines Apartment im Belgischen Viertel. Eher an Dingen wie Kunst und Musik interessiert, habe ich das Kochen erst vor drei Jahren für mich entdeckt und stetig daran herumgefeilt. Grund dafür war wohl eine Überhand nehmende Unverträglichkeit gegenüber (Fast-Food-)Restaurants, die mir durch reichliche Verwendung von Geschmacksverstärkern den Appetit verdorben hatten. Da mir meine Pantry-Küche nicht sonderlich viel Raum für's Kochen bietet, entwickelte ich für meinen alltäglichen Gebrauch immer mehr Gerichte, die besonders schnell und besonders günstig zu kochen waren. Irgendwann entstand mit zwei Freunden ein kleiner Kochzirkel in dem wir uns täglich abwechselten. Dabei ein Gleichgewicht zu halten stellte sich schnell als schwierig heraus, sodass ich dann immer häufiger gekocht hatte. Dies wiederum schlug mir aber schnell auf meinen finanziellen Magen - eine Lösung musste her und der erste Ansatz der SEMF-Idee war geboren. 

Dazu kam noch eine häufig geführte Debatte unter meinen Kommilitonen, die ja unglaublich gerne kochen würden, aber immer wieder Ausreden fanden, dann doch in die Mensa zu laufen (für mich ein Ort des Grauens! ). SEMF sah, bzw. sehe ich als Initiative wieder häufiger zum Kochlöffel zu greifen. Denn nur so kann ein Mensch beurteilen, was er kocht und isst und ob dies' gesund ist. Die steigenden "To-Go"-Angebote (die in der Qualität leider immer mehr sinken) reichen zwar aus, dass sich viele Menschen über die Entwicklung zur ungesunden Ernährung beschweren, mehr dann aber auch nicht. Getreu dem Motto: "Aber was soll ich als Einzelner dagegen tun?" bietet SEMF ein Netzwerk, dass immer mehr Mitmenschen dazu "anstiften" kann, aktiv zu werden. Aktiv werden, sich wieder gesünder zu ernähren; aktiv werden, Lebensmittel gemeinsam aufzubrauchen, anstatt alleine wegzuschmeißen; aber auch wieder aktiv sozial werden - zu lange wurde sich hinter Bildschirmmonitoren und sozialen Netzwerken versteckt. Meiner Meinung nach müssen wir wieder lernen, wie es ist, auf fremde Menschen zu treffen. SEMF ist also günstiges, gesundes und soziales Essen.

Verlockendes: Wie läuft denn, in deinem Sinne, ein perfekter SEMF-Abend ab. Bzw. wie sollte er ablaufen?

Diede: Ich würde sagen, dass der wesentliche Bestandteil der Frage nicht mit der SEMF-Idee zusammenzubringen ist. "Perfekt" ist in meinen und in den Augen der Mitglieder kein Anspruch an einen SEMF-Abend. Wer "perfekt" möchte, geht besser in das nächste Restaurant. Gerade die kleineren Fehler, die einem privaten Gastgeber gerne unterlaufen, machen solche Abende menschlich und greifbar.
Mein wichtigstes Anliegen an einen SEMF-Abend ist vielleicht mit den Adjektiven "gemütlich" und "zwanglos" zu beschreiben. Ich (und jeder andere SEMF-Koch) versuche mein Möglichstes ein nahrhaftes und leckeres Essen auf den Tisch zu zaubern, würde es aber ungern haben, wenn ich danach eine Restaurantkritik nach Michelin-Kriterien erhalten würde. Bisher ist das aber auch in keiner Weise vorgekommen. Es entwickeln sich schnell gemütliche Runden, bei denen jeder so sein kann, wie er will. Ich wünsche mir für meine SEMF-Abende eine Atmosphäre, in der auch jeder sagen darf, was er will. Auch wenn es demjenigen nicht geschmeckt haben sollte, oder jemand nach dem Essen lieber gehen möchte, da ihm die Gesellschaft nicht zusagt.Verlockendes: Wie ich gesehen habe, bist du auch aktiver SEMFler. Gibt es eine lustige Anekdote, was ist dir bisher Kurioses passiert?

Diede: Hmm... eigentlich noch nicht so sehr. Die Presse-Auftritte lieferten wohl das meiste Potential. U.a. beim Radio, als die Diskussion mit einem Gast, wie oft er denn nun schon bei mir gewesen sei, etwas ausuferte, sodass wir (live und in Farbe) penibel den Terminplan via SEMF-Gruppe rekonstruierten, oder auch als beim WDR alle Spaß und Hunger hatten... außer mir, weil ich durch eine kaum merkliche Verspätung des WDR (Länge eines Fußballspiels) ziemlich unter Zeitdruck kam und irgendwann so gestresst war, dass ich mich nicht mal mehr an den Gesprächen beteiligen wollte... Aber das sind alles auch keine normalen SEMF-Bedingungen. Lustige Anekdoten sollten sich allerdings bei den anderen Mitgliedern zuhauf finden lassen - die tagelangen Kommentare nach einem Abend lassen jedenfalls darauf schließen!

Verlockendes: Wie verhält man sich als SEMFler am Besten, wenns mal gar nicht schmeckt beim Kochpartner ?

Diede: Ich persönlich mag es ja direkt. Denn nur so kann man nach einer Alternative suchen. Vielleicht hat man noch etwas anderes anzubieten oder der Gast möchte lieber gehen. Mir ist es wichtig, dass jeder Gast mit einem halbwegs guten Gefühl geht. Das geht nur mit Ehrlichkeit.

Falls einem so eine Direktheit nicht liegen sollte, gibt es immer noch genug "Notlügen" - "Hab's heut am Magen", "Puh, ich bin schon total satt", "Ach, ich hab gleich doch noch einen Termin"...... man kennt das ja.

Verlockendes: Was ist dein Ziel von SEMF bzw. was ist dein größter Wunsch, wie es mit SEMF weitergeht. Was genau ist noch in Planung?

Diede: Mein Ziel wäre es, dass SEMF irgendwann ein bundesweit flächendeckendes Ess- und Kochnetzwerk ist. Viele Menschen glauben, dass Fertigprodukte günstiger sind als frisch Gekochtes und auch die notwendigen Nährwerte besäße. Wie schön wäre es, wenn man so viele Menschen wie möglich gar nicht davon überzeugen müsste, dass frische Produkte besser oder gesünder wären? Und das allein dadurch, da sich SEMF als Lebensweise etabliert hat und es völlig normal geworden ist, auch mal beim Nachbarn mitzuessen.

Vielleicht wird semfen ja auch mal als Verb im Duden aufgenommen? 

Meine kurzfristige Planung sieht eigentlich nur so aus, dass SEMF wachsen soll und vor allem genutzt werden soll. Nicht nur (wie jetzt) in Köln, sondern auch mal in den anderen Städten. Berlin, Hamburg, Frankfurt, Bonn, Salzburg, Wien haben auf Wunsch auch eine Gruppe erhalten. Leider fehlen mir dort die Kontakte um Werbung zu machen.
All das läuft auch hier größtenteils über Mundpropaganda. Es muss nunmal jeder mit anpacken, damit es vielleicht irgendwann wirklich so wird, wie im oberen Absatz beschrieben.


Die längerfristige Planung besteht aus mir und zwei Freunden, die derzeit über einer Website hocken, um das ganze unabhängig von Facebook anbieten zu können. Allerdings gibt es da noch viel Planungs- und Überlegungsbedarf, da dies natürlich mit Geldern und Gründungen zusammenhängt. Das ist nicht immer mal so eben getan und würde sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.
Aber schauen wir einfach mal, was die Zeit so bringt. Bisher ging diese Taktik voll auf.


SO, und wenn ich euer Interesse geweckt haben sollte. SEMF ist derzeit aktiv in Köln und hauptsächlich über Facebookseite (klick) erreichbar - die Internetseite von SEMF (klick) befindet sich noch im Aufbau - über diese Seite gelangt ihr aber auch direkt zu der Facebookgruppe von SEMF, wer mal reinspingsen will. Toll wäre, wenn viele neue Kölner Fans finden würden - ich finde Diedes Grundsatz von guter Ernährung super - jedoch ist für mich persönlich der "soziale Faktor" fast noch wichtiger. Wie ich schon sagte, sind gerade in Großstädten viele Menschen einsam - alte Menschen, Studenten, beruflich zugezogene, alleinerziehende Mütter... und und und. Danke lieber Diede für diese tolle Möglichkeit und für die Beantwortung meiner Fragen.

Euch noch eine schöne, sonnige Woche
Eure

Rebecca


Manjanahome Schüsselchen Japan (gibts auch noch in diversen anderen Versionen)*
Butlers.de - Made for your home* gestreifte Serviette 




*Inhalte mit Werbung

Kommentare:

  1. Liebe Rebecca, tolle Fotos, Dein Nudelsalat sieht richtig lecker aus. Ich werde ihn allerdings nicht nachmachen, weil auch ich mich gerade etwas gesünder ernähren möchte und mich gar nicht mal so der Zucker stört, sondern viel eher die Geschmacksverstärker. Daher wahrscheinlich auch das Gefühl, dass man gar nicht mehr aufhören mag den leckeren Salat zu essen. Sowohl das Chinagewürz als auch Sojasoße enthalten Glutamat (Hefeextrakt). Mist, jetzt hab ich auch nur rumgemeckert. Wollte ich gar nicht. Deshalb noch ein ganz dickes Danke für das tolle Interview, die Initiative kannte ich noch nicht, finde ich aber echt gut!

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    1. Hey Hanna,

      nein ist schon okay :) sowas findet man bei mir auch eher selten bis gar nicht... aber ich liebe diesen Salat einfach total-auch mit der Chemiepampe drin. Obwohl ich dazu sagen muss: Sojasauce bei mir ist Bio (Wasser, Soja, Salz - nix Geschmacksverstärker!!!) und ich nehme nicht das Fuchs Zeug (hatte ich nicht da) sondern ein anderes... Ob das besser ist, wage ich jedoch zu bezweifeln ;) Allerdings kann ich da lächelnd drüber wegsehen, denn sonst ist unser Haushalt Fertigprodukt und Mononatriumglutamatfrei ;)

      GLG
      Rebecca

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  2. Also das ist hier jetzt wirklich ein kleines Wunder, dass ich folgenden Satz von mir loslasse, aber: Dieser Nudelsalat sieht echt lecker aus! Dabei mag ich gar keinen Salat! Keinen einzigen. Alles was auf Salat endet, wird von mir nicht gegessen (außer Obstsalat^^). Aber dieser hier sieht so lecker aus, dass ich kurz davor bin ihn auszuprobieren! Allerdings würde ich gerne den Balsamico weglassen, da Essig mein größter Feind ist. Dafür liebe ich aber Sojasoße! Meinst du es schmeckt auch wenn ich den Essig weglasse? Dann wäre das mein erster „Salat“ den ich esse! Damit würdest du wahrscheinlich in unsere Familiengeschichte eingehen, weil meine Famiie mich seit Jahren versucht zum Salat essen zu überzeugen (sogar schon mit Geld :D ), aber es bisher noch keiner geschafft hat.

    LG,
    Lia

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    1. Na dann bin ich gespannt, was du zu berichten hast :)

      GLG
      Rebecca

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  3. Der Nudelsalat hört sich super lecker an. Werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren. Ich brauch im Salat beim Grillen auch kein Fleisch, das liegt schließlich auf dem Grill ;) Suche immer nach Alternativen zum Standart-Nudelsalat meiner Mum und der hier gehört sicherlich dazu :)

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  4. Also die Nudeln sehen lecker aus und ich hab auch alles da. Da weißte ja bescheid... :) Und zu semf sag ich nur... da muss ich gleich mal zu facebook! GUt, dass ich dich auf Küchenplausch gefunden habe. Jetzt schau ich mal, ob du auch bei fb bist und folge dir dann. hier ist es nämlich echt toll! liebe Grüße von Tonia von backen macht froh

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  5. Mmhhhh so eine portion von deinem nudelsalat wäre jetzt lecker :)))

    ich drück dich ♥

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